Der Monte Carza und seine Geschichte der Erde

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Viggiona, Le Siepi, Monte Carza, Cheglio, Viggiona

Dauer: 3h Schwierigkeitsgrad: ES
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Durch den unermüdlichen Einsatz der Bergverbundes des Alto Verbano wurde das Gebiet um den Monte Carza für die Wanderer zugänglich gemacht. Zwei gut ausgewiesene Wanderwege, die auch für Pferde und Mountainbiker offen sind, laden ein, die Natur um den Monte Carza kennen zu lernen.
Der Weg beginnt bei der Pfarrkirche von Viggiona (Chiesa parrocchiale di Viggiona). Von dort nehmen wir den Weg rechts ab, der zur “Madonnina”, einem wunderschönen Aussichtspunkt über dem Dorf, hinauf ansteigt. Anschließend geht es weiter auf dem Wanderweg (Nr. 13 CMAV), der uns in die Ortschaft “Le Siepi” mit seinen großen Findlingen führt. Dann weiter in Richtung Pra Rotondo, um anschließend den Gipfel des Monte Carza (1116 m) mit seiner atemberaubenden Aussicht über den See zu erklimmen. Auf der Südseite des Berges, unterhalb der Spitze, steht die hübsche Kapelle „Stella del Lago Maggiore“. Sie wurde in den 70er Jahren auf einem Abschnitt, der hier durchführenden Verteidigungslinie Linea Cadorna, erbaut. Jeden dritten Sonntag im Juli wird hier ein großes Bergfest „Festa Alpina“ abgehalten, welches viele Besucher anlockt.
Hier eine kleine Exkursion in die Geologie: Im Norden von Alto Verbano liegt eine große tektonische Linie, bekannt unter dem Namen "Lineamento Periadriatico oder Insubrica Linie", die die europäische von der afrikanischen Platte trennt. Die dortige Gebirgszone wird geologisch als Pogallo Störungszone bezeichnet und bildet die strukturelle Grenze zwischen der Ivrea Zone und der Strona-Ceneri Zone im westlichen Teil der Südalpen. Die geologische Besonderheit liegt in der Möglichkeit in diesen Gebirgs - und Gesteinsstrukturen den Entstehungsverlauf der gesamten Alpenkette nachzuvollziehen. Das Ossolatal ist ein einzigartiges Beispiel für diese charakteristische alpine Schichtüberlagerung, die sich im Laufe des Mesozoikums und Tertiärs bildete.
Die Gegend von Cimolo bis San Salvatore, Morissolo über den Carza bis Spalavera wurde durch eine Reihe frühzeitlicher Seen geprägt, die den geologischen Nährboden bildeten. Eine andere Komponente der geologischen Struktur sind die Moränen, die durch den Rückzug der Gletscher zurück gelassen wurden. Der Boden dort ist bräunlich, eher sauer und damit von geringer Fruchtbarkeit.


Zurück zu unserem Wanderweg, gehen wir über den Gebirgskamm in westlicher Richtung bis zur Landstraße hinunter. In der Nähe befindet sihc ein künstlich angelegter Teich und die Raststätte „Il Grotto“. Von hier aus führt die Route weiter in Richtung Alpe Ologno, die entlang des uralten gepflasterten Maultierpfades bis Cheglio herunterführt. Von dort sind Trarego und Viggiona zu erreichen.
Ein alternativer längerer Rückweg vom Monte Carza: Von der Bergspitze gehen wir auf dem Bergrücken in nordwestlicher Richtung über Monte Pianbello nach Cima Forcola. Bei dieser Strecke kommen wir bei der Kirche Santa Eurosia vorbei. Von dort steigen wir hinab zur Kirche Santa Eurosia. Entland der Straße können wir zur Gaststätte „Il Grotto“ zurückgehen oder direkt nach Trarego herunterwandern.


Aus geologischer Sicht bietet dieser Weg eine Möglichkeit die Entstehung dieses Gebietes nachzuvollziehen. In diesem Sinne haben wir uns erlaubt von Delfino Insolera (1920-1970) einige Auszüge aus einem seiner Artikel vorzustellen. Er war ein berühmter Feriengast dieser Region. Er war von 1960 bis 1970 als Direktor des Verlagshauses Zanichelli tätig und wurde später wissenschaftlicher Berater und Autor.

„Der Spaziergang von Cheglio zum Monte Carza (1116 m) lässt uns, mit einer knappen Stunde bequemen Anstieges, die Freude des Ankommens auf einem schönen Gebirgskamm erleben. Dort oben hat die Gegend ein eigenes Gesicht und lässt eine andere Landschaft entdecken.
Schon als Kinder waren wir uns dessen bewusst, als wir den Berg hinaufstiegen. Wenn wir uns umdrehten, sahen wir die weichen Hänge mit den Häusern von Cheglio und Trarego, die grünen Wälder und, oberhalb einer bestimmten Höhe, die Wiesen. Der Anstieg endete auf dem Gipfel in einem Reigen aus Bergen mit weichen Konturen, mit der Kuppel des Spalavera und die Rundung des Tondone („großer Kreis“): Ein Name, der als eine kindliche Erfindung erscheinen mag, aber auf den geographischen Karten tatsächlich so abgebildet ist. Weiter entfernt erblickt man zwischen niedrigeren Bergen das blaue Band des Lago Maggiore, wo sich am Ende die Poebene erahnen lässt. In die andere Richtung, hinter den Bergen, liegt ein Tal, welches bei Locarno am See endet: Man nennt es das „Hundert Täler Tal“ (Centovalli), welches sich bis in die Schweiz hinein windet und darum umso länger erscheint. Der Berg Carza, mit einer beträchtlichen Ausdehnung, befindet sich am nördlichen Rand von Italien, im Grenzgebiet zur Schweiz, welche wir von der Bergspitze des Carza vor uns sehen. Hier treffen die Landsockel von Europa und Afrika aufeinander. Früher waren diese Landsockel vermutlich durch einen Ozean getrennt, so tief wie der Atlantic, aber wahrscheinlich nicht so groß…
Man fragt sich , wo ist das alles hin gegangen, was zwischen dem ursprünglichen Afrika und Europa lags? Ein Teil senkte sich ab und verschwand im Inneren der Erde, der andere Teil schob sich darüber und türmte sich auf. Das Ergebnis dieses Zusammentreffens sind die zerklüfteten und aufgestauten Gesteinsmassen, genau da vor uns: es sind die Alpen! Die weichen, abgerundeten Formen der Berge sind das Kunstwerk der Gletscher, denn vor Millionen von Jahren befand sich der Spalavera und der Tondone unter einer immensen Kappe aus Eis, wie auch die gesamte alpine Region in der Eiszeit.
Noch heute existieren die Gesteinsbewegungen des Aufeinandertreffens. Es gleicht einer Herausforderung bei den vielen Erkenntnissen sich die Vergangenheit, von vielen Millionen Jahren, vorzustellen und zu rekonstruieren. Aber die Vergangenheit, die wir mit unserem modernen Wissen rekonstruieren, hilft uns die Geschichte der Berge zu verstehen.“

(Delfino Insolera)